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Verbandsmitteilungen

AGVT-Mitgliederversammlung

„Wir müssen weg von der Absicherungsmentalität – hin zur Fehlerkultur“

Mario Suckert, Staatssekretär im Thüringer Wirtschaftsministerium, war Gast der AGVT-Mitgliederversammlung. Suckert stellte in einem kurzen Impuls wirtschaftspolitische Schwerpunkte der Thüringer Landesregierung vor. Dabei betonte er, dass globale Herausforderungen wie Klimawandel, demografischer Wandel oder internationale Handelskonflikte nicht allein auf Landesebene gelöst werden können. Die Aufgabe des Landes bestehe vielmehr darin, gute Rahmenbedingungen für Unternehmen zu schaffen.

Thüringen verfüge über eine starke mittelständische Wirtschaftsstruktur und habe bereits umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit Strukturwandel gesammelt. Diese Stärken sollen genutzt werden, um den Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. „Gerade Ostdeutschland hat im Transformationsprozess nach der Wende dem Westen besondere Erfahrungen voraus.“

 

Mario Suckert; Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum

 

Ziele der Thüringer Wirtschaftspolitik

Im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik stehen drei Ziele: der Abbau von Bürokratie, bessere Investitionsbedingungen und eine moderne Verwaltungskultur. Förderprogramme sollen vereinfacht, digitalisiert und Antragsverfahren beschleunigt werden. Gleichzeitig soll die Verwaltung Unternehmen stärker als Dienstleister unterstützen. „Wir brauchen wieder mehr Vertrauen: seitens der Verwaltungen in die Unternehmen. Das heißt, auch von der Absicherungsmentalität auf beiden Seiten. Dreh- und Angelpunkt sind die Führungskräfte in den Verwaltungen. Es braucht eine Fehlerkultur, denn aus Fehlern lernt man“, machte Suckert deutlich.

Ein besonderer Fokus liegt auf Innovationen und Zukunftsbranchen. Thüringen will seine Stärken in Bereichen wie Optik, Medizintechnik, Photonik und Raumfahrttechnologie weiter ausbauen. Auch die Unternehmensnachfolge, die Förderung von Fachkräften sowie die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen zählen zu den zentralen Vorhaben.

Mit einem geplanten Transformationsfonds sollen Unternehmen zudem bei wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen unterstützt werden. Ziel der Landesregierung ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Thüringen auch künftig ein starker und wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort bleibt.

 

 

Vier Aspekte dominierten die Diskussion mit den Gästen: Regionale Wertschöpfung, berufliche Ausbildung, Bürokratieabbau und Fachkräftesicherung. Die Teilnehmer forderten, öffentliche Förderungen und Vergaben stärker an regionalen Arbeitsplätzen und Unternehmen auszurichten. Die Landesregierung unterstützt dieses Ziel grundsätzlich, verweist jedoch auf rechtliche Grenzen durch EU-Vorgaben.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Aufwertung der beruflichen Ausbildung. Angesichts des hohen Bedarfs an Fachkräften wurde betont, dass Ausbildungs- und Meisterabschlüsse gesellschaftlich stärker anerkannt werden sollten. Neben Schulen seien dabei auch Eltern wichtige Multiplikatoren. Hier brauche es noch mehr Unterstützung seitens der Landesregierung.

Kritik gab es weiderholt an zunehmender Bürokratie, langwierigen Verfahren und mangelnder Entscheidungskultur in Verwaltung und Unternehmen. Gefordert wurden mehr Eigenverantwortung, pragmatische Lösungen und eine stärkere Führungskultur im öffentlichen Dienst.

Beim Fachkräftemangel wurde die Bedeutung von Zuwanderung betont und gleichzeitig aber eine stärkere Förderung des eigenen Nachwuchses gefordert. Auch die angespannte finanzielle Lage vieler Kommunen erschwere  Investitionen und regionale Wirtschaftsförderung.

 

Dr. Ute Zacharias
Verbandssprecherin
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